The Night's Door
Erstaufführung am 17. März 2011 durch das Orchester des Konservatoriums von Reims,
mit Ryoko Kondo als Marimba-Solistin und Céline Léveillé als Dirigentin.
Instrumentation :
Bassmarimba und Streichorchester
Minimum Ideale Besetzung: 10/10/8/6/4
verl. Alfonce Production - dauer ca 15 Minuten
The Night’s Door ist in meinem Verständnis ein konzertantes Werk, jedoch kein Konzert im eigentlichen Sinne. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine narrative Komposition, in der das Marimba als Widerhall der inneren Stimme der zentralen Figur fungiert.
Ich stellte mir ein dunkles und trauriges Werk vor, dessen Gegenstand die Verzweiflung und die absolute Traurigkeit einer Figur sind, die erwägt, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Das Werk beginnt in einer düsteren Atmosphäre und wird allmählich traumartig, während sich die Vorstellungskraft zunehmend mit der Realität vermischt. Die erste Kadenz des Marimbas steht für die Entscheidung der Figur, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch die Einnahme von Substanzen und Alkohol verändert nach und nach ihre Wahrnehmung der Realität: Die Traurigkeit wird zur Nostalgie, das Zeitgefühl löst sich auf, und die Figur begreift allmählich, dass ihr Wunsch vielleicht nicht darin besteht, ihrem Leben ein Ende zu setzen, sondern der Realität zu entfliehen und in einer anderen Welt zu leben. Schließlich erreicht sie das, was ich „The Night’s Door“, die Tür zur Nacht, genannt habe.
Alles führt schließlich zu einem Moment der Trance, des Tanzes und der Euphorie. Die Grenzen zwischen Realität und Vorstellungskraft verschwinden, und nichts scheint mehr zu existieren: keine Sorgen, keine Traurigkeit, kein Schmerz.
Am Ende des Werkes bleibt die Figur in diesem Zustand. Ich wollte, dass der Abbruch der Musik beim Zuhörer eine ebenso plötzliche wie unerwartete Rückkehr in die Realität hervorruft. Als würden wir in diesem Augenblick erkennen, dass auch wir für einen Moment der Realität entkommen sind, von der Musik in diese andere Welt mit der Figur getragen.
So wird die Musik zu einer Kapsel der Flucht, zu einem zeitlosen Raum, der es ermöglicht, sich für einen Moment von der Realität zu lösen. Das Ende des Werkes markiert damit nicht nur das Ende der Erzählung, sondern auch das abrupte Erwachen des Zuhörers, der plötzlich in die Welt zurückkehrt, die er für die Dauer der Musik vergessen hatte.